Die “Junge Alternative” in Wiesbaden: Patrick Pana

Der Schriftführer der “Jungen Alternative” (JA) Wiesbaden (UPDATE: am 12.05.2018 aus “persönlichen Gründen” nicht mehr zur Wahl angetreten) und seit dem außerordentlichen Landeskongress im Oktober 2017 Beisitzer im Vorstand der JA Hessen [1], Patrick Pana, bezeichnet sich auf seinem Twitter-Profil selbst als “konservativ und heimatverliebt”. Doch ein Blick hinter diese bürgerliche Fassade, die die Wiesbadener AfD und auch JA gerne vor sich herträgt, zeigt: Pana hat keine Berührungsängste mit AfD-rechtsaußen wie Bernd Höcke, der “Identitären Bewegung” (IB) oder Neonazis und hetzt in “bester” Tradition gegen “Linke”, muslimische Menschen und Asylsuchende.

Patrick Pana geniert sich nicht, Geflüchtete als Vergewaltiger zu diffamieren und eindeutige IB-Hashtags zu nutzen.

Patrick Pana, hat sich vor allem im letzten Jahr verstärkt zu einem der auffälligsten Protagonisten der JA in Wiesbaden entwickelt und sich hierdurch auch in die Landesspitze der Hessischen JA katapultiert. Gut vernetzt arbeitet er daran, die Wiesbadener JA auszubauen und zu einer Stütze der AfD Wiesbaden zu entwickeln. Andersherum wird die JA Wiesbaden von der lokalen AfD als unterstützende und unterstützenswerte Gruppe wahrgenommen: Pana und die JA halfen in Wiesbaden beim Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 und Pana wird als Ordner bei öffentlichen AfD-Veranstaltungen eingesetzt. Nicht umsonst besuchte Robert Lambrou, Fraktionsgeschäftsführer der AfD-Fraktion im Wiesbadener Rathaus und Landessprecher des AfD Hessen, trotz fortgeschrittenen Alters im November 2017 einen Stammtisch der JA im “Paulaner” in Wiesbaden.

Patrick Pana (l.) als Unterstützer der AfD Wiesbaden zur Bundestagswahl 2017.

Robert Lambrou (1. v.l.) beim Stammtisch der JA Wiesbaden mit Patrick Pana (4. v.r.) und weiteren, bekannten JA-Mitgliedern.

 

Neben seinen parteipolitischen Aktivitäten in Wiesbaden zeigen Panas öffentliche Online-Profile noch mehr: So ist Pana Anhänger Höckes, den er bei Parteiveranstaltungen kennenlernen durfte, und des vom Bayerischen LfV beobachteten Peter Bystron [2]. Hier lehnt er sich auch agitatorisch an: So instrumentalisiert er z.B. die islamistischen Anschläge in Barcelona am 17.08.2017 für die eigene, rechte Propaganda. Aus Sätzen wie “13 Deutsche unter den Verletzten[.] 13, die nicht mehr #Merkel wählen. Leider mussten sie es auch auf die harte Tour erfahren. #Barcelona #AFD” oder “[s]cheinbar wurde es eben in #Barcelona schön bunt. Dieser Wahnsinn wird nur mit der AFD ein Ende nehmen. #TrauDichDeutschland” spricht pure Menschenverachtung. Auf dem Rücken der Opfer wird ungehemmt gegen eine offene, tolerante Gesellschaft gehetzt.

  

Patrick Pana mit Lob für die Rechtsaußen Bystron und Höcke.

  

Tweets von Patrick Pana, welche die Opfer eines Anschlags in Barcelona für die eigene Propaganda istrumentalisieren.

 

Zu Schade ist sich Pana auch nicht, Kritik an solchen rechtspopulistischen Positionen mit der Verfolgung von Juden und Jüdinnen während des Nationalsozialismus gleichzustellen und so einerseits den Holocaust auf perfide Weise zu verharmlosen und andererseits den Antisemitismus der AfD gänzlich auszublenden. So ist es sein Parteikollege Gedeon aus Baden-Württemberg, der eine “Versklavung der Menschheit im messianischen Reich der Juden” herbeispinnt und vom Judentum als “inneren geistigen Feind” des “christlichen Abendlandes” spricht [3].

Patrick Pana setzt in einem Tweet den Holocaust mit der Kritik an Rechtspopulismus gleich.

 

Geteilt und geliket werden fleißig auch Inhalte außerhalb des AfD- und JA-Kosmos: Pana zeichnet sich als glühender Unterstützer der “Identitären Bewegung” und ihrer Aktionen aus – trotz angeblichem Unvereinbarkeitsbeschluss. Die menschenverachtende Kampagne “Defend Europe”, bei welcher Identitäre aus mehreren europäischen Ländern die Seenotrettung von Flüchtenden im Mittelmeer diskreditieren und sogar behindern wollten, gefällt ihm ebenso wie das identitäre Hausprojekt in Halle. Er teilt Beiträge unterschiedlicher IB-Gruppen sowie von IB-Kadern wie Robert Timm und Martin Sellner. Pana identifiziert sich so auch mit der rassistischen Aussage Sellners, die Zunahme von Kindern mit migrantischem Background sei “das größte Verbrechen des 21. Jahrhunderts”, denn hierdurch werde “ein Kulturraum und eine Völkerfamilie zerstört”. Es erscheint daher auch nicht als Zufall, dass in Wiesbaden in den letzten Monaten vermehrt Sticker der JA stets in Begleitung mit Aufklebern der rechten Vernetzungsplattform “EinProzent” und der IB auftauchen.

  

Patrick Pana folgt diversen Identitären und zeigt eine große Nähe zur IB.

 

Kein Wunder also, dass Pana 2017 auch auf der Frankfurter Buchmesse (#fbm17) und hier vor allem am Stand des neurechten Antaios Verlags von Götz Kubitschek präsent war. Höcke, Sellner und der mehrfach wegen Körperverletzung vorbestrafte Mario Müller vom IB-Ableger in Halle waren schließlich als Gäste geladen. Zugegen war auch der Neonazi Maximilian Reich, der in der JN Baden-Württemberg (Jugendorganisation der NPD) aktiv ist sowie als eine Führungsfigur des neonazistischen “Antikapitalistischen Kollektivs” (AKK) gilt. Pana verbreitet auch dessen Beiträge und freute sich mit dem Hashtag #fbm17 über den Sticker “Antifa-Zentren dicht machen. Kein Freiraum den Antifaschisten” aus Reichs Onlineshop, der nur wenige Tage nach der Buchmesse zusammen mit weiteren Neonazi- und JA-Stickern auch im Wiesbadener Stadtbild auftauchte.

  

Seinen Idolen ganz nah: Foto von Patrick Pana, das Kubitschek, Sellner und Müller zeigt. Im Nachgang teilte er auch Inhalte vom Neonazi Maximilian Reich, dem er auf Twitter folgt.

  

 Patrick Panas Stickerfund bei der FBM17 tauchte wenig später zusammen mit JA-Stickern in Wiesbaden auf.

 

Pana ist jedoch keine Außnahme: Die JA Hessen – wie auch andere Ableger und der Bundesverband – hat insgesamt keine Scham, offen mit der IB und Neonazis zu agieren oder ihre Positionen zu teilen. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen extrem rechten Lagern sind bisweilen nur graduell. Ihre menschenverachtende Propaganda, ihr rassistisches Weltbild und der Hass auf politische Gegner*innen ist der gemeinsame Nenner. Umso wichtiger ist es, auch weiter hinter ihre Maske der “Bürgerlichkeit” zu schauen – insbesondere im Hessischen Wahljahr 2018.

 

>>> UPDATE: AfD Wiesbaden, die extreme Rechte und Patrick Pana <<<

 


[1] https://www.ja-hessen.de/vorstand/

[2] https://www.br.de/nachrichten/afd-bystron-verfassungsschutz-100.html

[3] http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/afd-abgeordneter-gedeon-forscher-schriften-eindeutig-antisemitisch-14302526.html